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Fuhrparkmanagement:

„Marktentwicklung erfordert immer ausgefeiltere Telematiksysteme“

Die wachstumsbedingt rasant fortschreitende Industrialisierung des europäischen Transportmarktes zwingt Lkw-Transporteure aller Couleur zum Einsatz zeitgemäßer IT- und Telematiksysteme. Hierbei sind viele Segmente noch unausgeschöpft. Die größte Wertschöpfung ist durch eine effiziente Datenintegration in firmeneigene Backoffice-Systeme zu erzielen, wobei die richtige Implementierung das A & O ist. Das betonte Franck Leveque von Frost & Sullivan auf der Fachkonferenz „Connect To The Future“ der US-Telematikspezialistin Qualcomm in Perl. Entwicklungstreiber seien der immense Wettbewerbs- und Margendruck sowie steigende Betriebskosten, Reglementierungen und Sicherheitsanforderungen. „Diese Faktoren schreien in Verbindung mit dem starken Wachstum geradezu nach einem professionellen Datenmanagement“, unterstrich Branchen-experte Leveque.

Aktuell gerieten Flottenbetreiber von allen Seiten zunehmend unter Druck. Verlader drehten verstärkt an der Serviceschraube, Lkw-Hersteller vermarkten Technologien immer aggressiver und der Gesetzgeber ziehe seine Zügel immer straffer an. Und zwar durch die neuen Fahr- und Ruhezeitenvorschriften, Lkw-Maut etc. Trotz oft noch vorhandener Anwender-Reminiszenzen gehe der Trend vom simplen Tracking & Tracing eindeutig in Richtung sophistischer Fuhrparkmanagement-Systeme. Interessante Möglichkeiten ergäben sich dabei im Trailer- und Containerbereich. Gepusht werde die Marktentwicklung durch eine neue Generation von Flottenmanagern, die Telematik nicht als unnötige Kosten, sondern unter Return-of-Investment-Aspekten betrachteten.

Auffällig ist laut Leveque, dass die Telematikmöglichkeiten in verschiedenen Industriezweigen und Branchen sehr unterschiedlich sind. Sehr unterschiedliche Bedingungen und Erwartungen erforderten von den Telematikanbietern deshalb oft maßgeschneiderte Lösungen für Segmente wie Automobil, Lebensmittel, Chemie, Pharmazie, Einzelhandel usw.

Innnovationstreiber in Richtung adäquater Telematiksysteme ist nach Darstellung von Qualcomm Enterprise Services Europe-Europamarketing-Direktor Wim Foederer der immer noch viel zu hohe Leerfahrtenanteil, verbunden mit ständig steigenden Dieselkosten. Da die Fahrer- und Dieselkosten bei 35 bzw. 20 Prozent der Lkw-Kosten lägen, müsse bei diesen fokussiert werden. Foederer: „Eine optimierte Routenplanung reduziert nun einmal unnötige Leerfahrten“. Strukturell auffallend sei die Heterogenität des europäischen Straßengüterverkehrs, in dem kein Akteur einen Markanteil von mehr als zwei Prozent aufweise und die durchschnittliche Flottengröße unter zehn Fahrzeugen liege.

Trotz des schnellen Erfolges von Fleet-Management-Systemen steht der große Marktdurchbruch bei Lkw über 7,5 t laut Foederer jedoch immer noch bevor. Grund: Gegenwärtig seien in Westeuropa durchschnittlich nur rund acht Prozent aller Einheiten mit entsprechender Technologie ausgestattet. Wobei der Anteil in den Benelux-Staaten schon bei fast 20 Prozent liege, gefolgt von Frankreich und Großbritannien mit etwa zehn Prozent. Die Märkte Deutschland/Österreich/Schweiz lägen sogar knapp unter dem Durchschnittswert. Noch sehr zurückhaltend beim Telematikeinsatz seien vor allem spanische, italienische und polnische Lkw-Unternehmer.

Qualcomm trage den unterschiedlichen Anforderungen des europäischen Transportgewerbes dadurch Rechnung, dass auf ihrer neuen Telematikplattform „FleetVisor“ integrierte Lösungen für den Fernverkehr, Regional- und Lokalverkehr, Paket- und Kurierverkehre sowie Subunternehmer auf einer einzigen grafischen Oberfläche anwenderfreundlich dargestellt werden. Verschiedene Hardwareprodukte für Fahrzeuge wie Euteltracs, OmniExpress und Trailertracs werden nahtlos in die Plattform eingebunden. FleetVisor kann als offene Plattform aber auch zukünftige Qualcomm-Produkte und Applikationen für verschiedene Segemente des Flotten- und Workflow-Managements integrieren.

Nach Aussage von Europadirektor Sjef van Gool wickelt Qualcomm täglich 12,5 Mio. Transaktionen ab.Weltweit habe Qualcomm bislang mehr als 1.000.000 Telematiksysteme geliefert. Wobei auch in den kommenden Jahren ein starkes Wachstum geplant sei. Wichtig seien dabei nicht nur Hardware und Kommunikation, sondern Netzwerke und Services.

Dass Diebe im Lkw-Transportbereich immer brutaler und technisch versierter vorgehen, verdeutlichte auf dem Qualcomm-Forum Mark Schwarz, Commercial Director des britischen Sicherheitsunternehmens Eurowatch: „Sie unterhalten eindeutig eigene, professionelle Supply-Chains und verursachen laut einer Studie des Europa-Parlaments einen jährlichen Schaden von mindestens acht Mrd. Euro.“ Begehrt seien vor allem schnell umsetzbare Konsumgüter, Elektrogeräte, Laptops/PDAs und andere IT-Artikel. Pro Lkw-Fahrt ergebe sich dabei statistisch ein Schaden von 6,72 Euro.

60 Prozent der Diebstähle findet laut Schwarz während der Lkw-Stopps statt, 15 Prozent erfolgen durch Hijacking. Absoluter Lieblingstag der Lkw-Diebe sei der Dienstag. Kriminelle Hochburgen sind nach Eurowatch-Darstellung Orte und Gebiete wie Antwerpen, Venlo, Schiphol Airport, Paris, London und die englischen Kanalrouten, Madrid, Katalonien, italienische Grenzübergänge und Teile der Ostküste, La Spezia und Neapel. Auch in Ländern wie Schweden und Dänemark fänden sehr viele Lkw-Diebstähle statt.

Schwarz: „Die um sich greifende Kriminalität findet vor allem in den Medien noch viel zu wenig Beachtung, und auch die Politik interessiert sich nicht genug dafür.“ Hinzu komme ein unzureichendes Risk-Management. Zur Schadensbekämpfung und -prävention müssten alle organisatorischen Vorkehrungen getroffen werden: Lkw-Screening, Ladungslimits, stabile Kofferaufbauten, sichere Parkplätze, Vermeidung unnötiger Lkw-Stopps, Routenvariation sowie passwortgeschützte Anfahrstationen. Bei der technischen Überwachung seien modernste GPS-Telematiksysteme nicht mehr wegzudenken. International müssen die Polizeibehörden vor Ort nach Eurowatch-Meinung spätestens nach zehn Minuten über registrierte Unregelmäßigkeiten informiert werden.

Bei der seit 1995 mit Qualcomm arbeitenden niederländischen H&S-Group hat sich die Komplexität aufgrund von 1.200 wöchentlichen Transportaufträgen extrem erhöht. Gleichzeitig hat sich die Tanktransportgruppe laut Business Unit Manager Feike Molema vom traditionellen Transporteur zum multimodalen Logistics-Service-Provider mit über 500 Mitarbeitern und einem Umsatz von 75 Mio. Euro gewandelt.

Nach anfänglicher Substitution von manuellen Tagesreports und Zweiwegekommunikation (Phase 1) und späterer Backoffice-Systemintegration sowie einfachem Tracking & Tracing (Phase 2) schöpft die in der Lebensmittellogistik tätige Gruppe jetzt alle Möglichkeiten moderner Qualcomm-Systeme aus. Hierzu gehören immer wichtiger werdende Alarmmeldungen (Geo- und Route-Fencing), Zweiwege-Kommunikation (Backoffice-Systemintegration), Tracking & Tracing (Positionsdetails, Polling, TT-Informationen), Verbrauchsdetails (webbasierte Stunden- und Kilometerreports) sowie Canbus-Informationen (Kraftstoffverbrauch, Fahrer- und Fahrverhalten).


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